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Acapulco gibt es nicht

Hörspiel von Susanne Fritz

Ursendung 2006 SWR 2, Baden-Baden
Redaktion: Katrin Zipse
mit Nicola Fritzen, Serpil Demirel, Nicolas Wolf, Carmen Rodriguez, Jaime Araque-Cepeda und Nestor Crespo
Text und Musikzusammenstellung: Susanne Fritz
Regie: Iris Drögekamp
 


Kurzbeschreibung
Hanna und Klaus sind verliebt, machen ihre erste weite Reise zusammen – in ein fremdes, verheißungsvolles Land: Mexiko.
Sie träumen von Acapulco und seinen legendären Stränden. Doch ihre Reise führt nicht unmittelbar ans begehrte Ziel...
Die Musik habe ich aus mexikanischen Liedtraditionen wie Boleros und Cancíones und aktuellen Rap- und Popsongs zusammengestellt.

HANNA: Ich zähle tote Hunde.
KLAUS: Verrückt. Die Autos machen ihnen kaum Angst. Im Gegenteil. Sie ziehen sie magisch an. Schau die beiden.
HANNA: Vielleicht halten sie sich für unsterblich. Fünf.
KLAUS: Oder sie sind ganz einfach dumm.
HANNA: Manche sehen aus, als würden sie schlafen. Ganz friedlich liegen sie auf der Seite... Wäre da nicht all dieses Blut...
KLAUS: Vielleicht machen sie sich einen Sport daraus.
HANNA: Meinst du?
KLAUS: Es gibt hier einfach zu viele. Wozu bremsen.
HANNA: Der ist kugelrund, aufgebläht wie ein Ballon... Sechs..
KLAUS kokett: Habe ich dir zuviel versprochen?
HANNA: Und der – nur noch ein Fell. Sieben... Nein, du hast mir nicht zuviel versprochen. Aber ich habe es dir nicht geglaubt.
KLAUS: Du hast mir nicht geglaubt? Aber warum?
HANNA: Es klang so unwahrscheinlich.
KLAUS: Dachtest du, ich würde Unsinn reden?
HANNA: Natürlich.
KLAUS: Du glaubst wohl nur, was du mit eigenen Augen siehst.
HANNA: Kommt ganz darauf an, ob eine Idee mir gefällt.
KLAUS: Du magst keine Hunde.
HANNA: Nein. Acht.
KLAUS: Und wenn ich einen Hund hätte? Einen großen grauen Zottelhund mit langer rosa Zunge?
HANNA: Der mit uns im Bett liegt? Mir zärtlich übers Ohr leckt, wenn ich dich küsse?
KLAUS: Ah, ich sehe schon. Wenn wir zurück sind, leg ich mir einen zu!
Sie lachen. Pause.
HANNA fasziniert: Die lebendigen Hunde tun so, als hätten sie mit den Toten nichts zu tun. Sie laufen an ihnen vorbei, sitzen neben ihnen, als existierten sie gar nicht. Als wären sie Luft. Oder aus Stein. Für sie völlig uninteressant.
KLAUS: Wahrscheinlich haben sie keine Lust, in ihre Zukunft zu schauen. Wäre doch menschlich.
HANNA: Möchtest du dein Schicksal kennen?
KLAUS charmant: Über meine Reise mit dir hinaus? Nein!
HANNA: Ich möchte schon gern wissen, was auf mich zukommt.
KLAUS: Auch, wenn du’s nicht ändern könntest? Das ist doch grausam.
HANNA: Aber ich könnte mich drauf einstellen.
KLAUS: Dich darauf einstellen. Und dann?
HANNA: Erlebe ich keine böse Überraschung...
KLAUS: Sondern nur die Tragödie, mit der du sowieso gerechnet hast?