Impressum

Herzlich Willkommen auf meiner Seite!
Hier ein Überblick über mein aktuelles Schaffen.

Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts bilden weiterhin einen Schwerpunkt meiner Arbeit. Durch die Spurensuche zu meiner Mutter als gefangenes Kind erfahre ich deutsch-polnische, und damit europäische Geschichte, die bis heute wirkt. Die Veröffentlichung meines Essays „Fingerabdruck. Wie kommt der Krieg ins Kind?“ im Juni 2015 bei Lettre International stellte eine sowohl literarische als auch persönliche Schwelle dar; die vielen bewegten Reaktionen und weiterhin offenen Fragen ließen mich das Begonnene fortsetzen.

Ich bin Teil einer Geschichte und zugleich aus ihr verbannt. Es ist nicht mein Erleben, und doch gäbe es mich nicht ohne es. Ich weiß einiges, vielleicht genug. Aber woher rührt dieser Impuls, Lücken schließen, Einzelheiten verbinden, das Rätsel lösen zu wollen? Eine persönliche Spurensuche oder Salto rückwärts aus der sich zuziehenden Überwachungsgesellschaft in ein polnisches Zwangsarbeitslager 1945-49.

Inzwischen ist das Manuskript auf Buchlänge gewachsen und wird hoffentlich 2018 in Gänze herauskommen können. Parallel zu meiner rechercheintensiven Arbeit an Fingerabdruck habe ich u.a. Texte zum Verhältnis von Literatur und Politik veröffentlicht, zu Franz Kafkas Strafkolonie, zu Primo Levis nachgelassenen Berichten „So war Auschwitz“ und ein Echo zum zweitausendsten Todestag Ovids, des verbannten römischen Dichters der „Metamorphosen“.

Neben der reinen Textarbeit geht es weiter auf die Bühne und zu Crossovers der Künste. Die Premiere der WortMusik 03 „Frost. Kalte Geschichten, coole Musik“ ging mit dem virtuosen Saxophonisten und Improvisator Matthias Anton und großem Publikumserfolg über die Bühne (weiter im Repertoire – wir freuen uns über Empfehlungen und Engagements!). Mit der britischen Künstlerin und Soziologin Celia Brown ist eine Performance zu Ovids Metamorphosen in Vorbereitung (Herbst 2017). Und eine Herzenssache, die uns seit unglaublichen zwanzig Jahren beschäftigt: Mit Fredric Kroll, Alberto Gualandi und Lorenzo Bonosi werden wir ein bisher nicht realisiertes Drehbuch von Klaus Mann an Originalschauplätze in Italien bringen, in die Gegend des Futa-Passes zwischen Florenz und Bologna, wo Manns dramatische Geschichte um einen faschistischen Jugendlichen angesiedelt ist (April 2018). Auch dies eine Auseinandersetzung mit unserem historischen Erbe, seinen Auswirkungen und Herausforderungen für unsere Gegenwart und Zukunft.

Ich freue mich über Ihr Interesse an unserer Arbeit. Für Näheres bitte einfach nach unten scrollen bzw. in den jeweiligen Rubriken nachschauen oder mich direkt kontaktieren.

Herzlich, Susanne Fritz im Juni 2017

 

 

 

Ein Besuch in Krakau

„Wir kennen nicht die wichtigsten Ereignisse, die sich jenseits unserer Wände abspielen. Nichtsdestoweniger rücken sie unerbittlich an. Man braucht nur die Tür zu öffnen“, notierte Tadeusz Kantor, der das europäische Theater im Krakauer Untergrund zur Zeit der deutschen Besatzung revolutionierte. Eine Hand breit entfernt, im Versteck vor Barbarei und Tod, gewann Kantor und sein Ensemble aus den Resten der Zivilisation künstlerisches Gold.

Ich ertappe mich dabei, den Hausschlüssel dreimal herumdrehen zu wollen. Die Ereignisse lassen sich von persönlichen Sicherheitsvorkehrungen wohl wenig beeindrucken.

Öffnen wir unsere Türen.
Bin ich Gast oder Gastgeber?

 

Frau in der Badewanne. Kantor Museum Cricoteca, Krakau.
Foto: S. Fritz

 




Post für einen bedeutenden Rabbiner, Alter jüdischer Friedhof Kazimierz, Krakau




Lesen die Toten unsere Briefe?
Eine Collage aus Krakau.
©Susanne Fritz 2016

 

 

 

Man muss sprechen. Zum 30. Todestag Primo Levis

Kurz nach der Befreiung am 27. Januar 1945 beschreibt der Chemiker Primo Levi zusammen mit dem Arzt Leonardo Benedetti im Auftrag der russischen Kommandantur die hygienisch-medizinische Organisation des Konzentrationslagers Auschwitz III in Monowitz. Genaue Innenansichten wie diese sollten das ergänzen, was die fotografischen Dokumente der Befreier nur unzureichend wiedergeben konnten. Für eine umfassende Spurensicherung kamen sie zu spät: Die Mörder hatten die Beweise so gut es ging vernichtet, die Krematorien gesprengt und die Deportierten aus den Lagern auf die tödlichen Evakuierungsmärsche getrieben, um keine Zeugen zu hinterlassen. Levi verblieb mit anderen Kranken und Gehunfähigen im Lager zurück und überlebte. Der im Frühjahr 2017 im Carl Hanser Verlag erschienene Band „So war Auschwitz“ versammelt wichtige wiederentdeckte sowie erstmalig publizierte Zeugnisse des Zeitzeugen und luziden Schriftstellers über einen Zeitraum von einundvierzig Jahren. Die Geschichte der Konzentrationslager bleibt virulent. Levis Sätze sind blanke Spiegel, es fordert Mut, hineinzusehen.


Man muss sprechen. Zum 30. Todestag Primo Levis.
Artikel in der Badischen Zeitung vom 22.April 2017

 

 

Lammfromm? Das Schaf als Heiland und Menschenfresser.
Eine persönliche Leseempfehlung.


Francisco de Zurbarán: Agnus Dei



Er kam vom Wolf zu den Schafen, in denen er „lange nur eine wollige Masse potentieller Opfer“ gesehen hatte. Nun entdeckte der wolfskundige Journalist, Jäger und Waldläufer Eckhard Fuhr die faszinierende Geschichte des Schafes, das wie kein zweites Tier rund um den Globus in allen Klimazonen der Erde seit Jahrtausenden aufs engste mit den Geschicken des Menschen verbunden ist. Abgerundet ist die elegant und unterhaltsam geschriebene Naturkunde, die auch Kultur-, Wirtschafts- und Sozialkunde ist, durch zwölf Portraits wichtiger Schafsrassen, die Autor und Herausgeberin Judith Schalansky „besonders gut gefielen oder mit denen sich kuriose Geschichten verbinden.“

Zum Artikel: Lammfromm?

 

 

 

Kafkas Tattoo oder Wenn Buchstaben bluten

In Franz Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“ von 1914 verliert das Wort jede Freiheit und mutiert zum Folterwerkzeug. Die Sprache dient nicht länger menschlichem Ausdruck und zwischenmenschlicher Verständigung. Sie wird auf einen tödlichen Urteilsspruch reduziert, den eine Maschine in den Körper des verurteilten, vollkommen stimm- und wehrlosen Menschen eintätowiert. Die Buchstaben bluten, der Mensch verblutet. In den Händen der Diktatoren und despotischen Machthaber stirbt die Sprache, unsere wichtigste Kulturtechnik. Als Schriftsteller aber glauben wir an die befreiende und emanzipatorische Kraft der Sprache. Wörter und Namen bieten Menschen Zuflucht – gerade in höchster Not. Was aber, wenn Buchstaben bluten?

Mein Text entstand als Beitrag für die Literaturzeitschrift Die Horen unter dem Titel: „Hinauf in das winzige Zelt von Blau. Writers in Prison/Writers at risk“. Ein vielstimmiger Apell für die Freiheit des Wortes, allen wärmstens ans Herz gelegt.



Auch heute noch werden mehr Schriftsteller und Schriftstellerinnen verfolgt, inhaftiert oder ermordet, als man in den westlichen Demokratien glauben mag.
Sascha Feuchert, Hans Thill und Regula Venske (PEN-Zentrum Deutschland) haben einen Band zusammengestellt, in dem die Betroffenen selbst zu Wort kommen oder von bekannten Kollegen porträtiert werden. Ergänzt werden die Texte mit Grafiken bedrohter bildender Künstler.
Mit Beiträgen u.a. von Mohammed al-Adjami, Gioconda Belli, Sabine Kebir, Enoh Meyomesse, Roswitha Quadflieg, Johano Strasser, Ilija Trojanow und Liao Yiwu.

Die Horen Bd. 261, 61. Jahrgang
€ 16,50 (D) | € 17,00 (A)

Susanne Fritz: Kafkas Tattoo oder Wenn Buchstaben bluten

 

 

 

Alles wandelt sich. Echos auf Ovid

Eine Anthologie des PEN im Ausland zum zweitausendsten Todestag Ovids, an der ich die Freude hatte, beizutragen. Buchpremiere und erstmalige Verleihung des ersten Ovid-Preises an den Literaturwissenschaftler Guy Stern (Hildesheim/Detroit) für sein Lebenswerk am 14. März 2017 in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main.

 

Von links nach rechts: Die Leiterin des Exilarchivs, Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt, Dr. Sylvia Asmus und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter, die Autorin Renate Ahrens, der Preisträger Guy Stern, die Herausgeberin Gabriele Alitoth und die Autoren Gisela Holfter, Susanne Fritz und Utz Rachowski. Foto: Presse

Näheres siehe bitte Rubrik Schreiben/Sammelbände.

Fingerabdruck. Wie kommt der Krieg ins Kind?

Ich bin Teil einer Geschichte und zugleich aus ihr verbannt. Es ist nicht mein Erleben, und doch gäbe es mich nicht ohne es. Ich weiß einiges, vielleicht genug. Aber woher rührt dieser Impuls, Lücken schließen, Einzelheiten verbinden, das Rätsel lösen zu wollen? Eine persönliche Spurensuche oder Salto rückwärts aus der sich zuziehenden Überwachungsgesellschaft in ein polnisches Zwangsarbeitslager 1945-49.

„Lettre International“ 109, Berlin Juni 2015

 

 

 

Jahrestagung des deutschen PEN
Magdeburg vom 7. – 10. Mai 2015

Das Treffen, an dem ich als „Neue im Club“ erstmalig teilnahm, stand unter dem Motto „Die böse Lust am Zweifel“ (Brigitte Reimann). Tagungsort war die Johanniskirche, die im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Die heute modern ausgebaute Ruine bot eine sprechende Kulisse für meine kurze Rede am 8. Mai, in der ich an 70 Jahre Kriegsende und das Schicksal meiner Mutter als gefangenes Kind erinnerte.

Vorstellungsabend „Neu im Club“: Im Gespräch mit Regula Venske

 

 

 

 

 

 

 

8. Mai 2015. Heute vor 70 Jahren…
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