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Giacomo Joyce

Schauspiel von Susanne Fritz nach dem gleichnamigen Prosatext von James Joyce, erweitert um Passagen aus Ulysses, Die Toten, Verbannte und Briefen des Autors
UA 1997 Théâtre de la Bonne Graine, Paris
mit Xavier Lucas, Marisa Mirenda, Shanta Rao, Marie Rossi, Jean-Claude Vogel
Bühne und Kostüme : Monika Goehrner-Vogt
Regie: Susanne Fritz
 


Kurzbeschreibung
James Joyce verfasste die unter dem Titel Giacomo Joyce stehenden Prosaskizzen in der Zeit seines Triester Exils (1904-1915), die endgültige Niederschrift wird auf das Jahr 1914 datiert. und geht so unmittelbar dem Entwurf des Romans Ulysses voraus. Joyce ließ Giacomo Joyce nicht zu seinen Lebzeiten veröffentlichen, einerseits wohl aus persönlicher Diskretion, der Text weist einen sehr engen Bezug zu seinem Privatleben auf, anderseits plante er, Motive und Passagen im folgenden Roman zu verwenden und wollte sich nicht wiederholen. Giacomo Joyce ist, von wenigen Gedichten abgesehen, der einzige literarische Text, den der Autor auf dem europäischen Festland ansiedelte.
Anlass der Prosaskizzen war die Liebe zu seiner Schülerin Amalia Popper, der er als Privatlehrer Englischstunden erteilte. Joyce, Mitte Dreißig, erlebte in seinem leidenschaftlichen und unerfüllbaren Begehren den dramatischen Verlust seiner eigenen Jugend. Der titelgebende Name Giacomo ist die italienische Entsprechung von James, aber auch der Vorname des legendären Verführers Giacomo Casanovas. Eine reizvolle wie schmerzhafte Homonymie!
In intensiven Bildern schildert Joyce Begegnungen, formuliert eine unerhörte erotische Faszination ebenso wie Gefühle von Fremdheit und Ekel. Vor dem Ansturm widerstreitender Empfindungen rettet der Autor sich in Ironie und Spöttelei, bemüht mythologische und literarische Zitate. Sein Schmerz aber bleibt, bei aller akrobatischen Kunstfertigkeit, heillos, der poetische Text, der von ihm Zeugnis ablegt, ist ein wenig beachtetes Stück des Ausnahmeautors, das tief zu berühren vermag.


Zur Inszenierung
Für das feine, heute leider geschlossene, Zimmertheater Théâtre de la Bonne Graine unter der Leitung von Francesco Tuzzio habe ich Giacomo Joyce dramaturgisch bearbeitet, um Passagen aus Joyce’ Briefen, aus dem Drama Verbannte, dem Roman Ulysses und der Erzählung Die Toten erweitert und mit fünf Schauspielern aus vier Nationen in französischer, darüber hinaus in italienischer, englischer und deutscher Sprache auf die Bühne gebracht.
Die Inszenierung setzt auf die Musikalität der Joyce’schen Sprache in den individuellen Stimmlagen der Schauspieler, auf ein sinnliches Bühnengeschehen jenseits von Bebilderung und Erklärung des Textes,  und eine durchgehend choreographierte Körpersprache. Sprache, Raum und Körper sind eigenständige Wirklichkeiten, die magisch, notwendig ineinander wirken und die – ganz im Joyce’schen Sinne – zu flüchtigen „Epiphanien“ in der Wahrnehmung des Betrachters führen können.