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Heimarbeit

Roman, 2007

 

Geschichte der Geschichte
Heimarbeit zu schreiben begann ich aus Reflex auf eine inzwischen alltägliche Nachricht: Ein Mensch habe als lebende Bombe andere mit sich in den Tod gerissen. Damals hatte ich auch Angst um einen Freund, der an seiner Lage zu verzweifeln, sich das Leben zu nehmen drohte. Und dann war da noch ein geliebter Mensch auf seinem Kranken-, seinem Sterbebett. Dazu gesellten sich frühe Erinnerungen, und ein Kind trat in Erscheinung…
Zwischen persönlichem, zuweilen einsamem Handeln und politischer Inszenierung bewegt sich unser aller Dasein. In diesem Spannungsfeld entstanden die Episoden, die sich bald zu einer Geschichte um die innere und äußere Heimat fügten: theatralische, grelle, makabere Passagen – wenn ich mir das öffentliche, offizielle Geschehen meines fiktiven Provinzstädtchens vorstellte. Und nachdenkliche, bewegende, auch sehr traurige, wenn ich mich deren Bewohnern, meinen Figuren und ihrem Schicksal zuwandte.
 

Kurzbeschreibung
Irgendwo in der Provinz. In einer Kleinstadt geprägt von feinmechanischer Produktion. Da bringt sich um, wer auf sich hält, gewissermaßen schon aus Tradition – und auf möglichst originelle Weise: Wenigstens einmal im Leben im Mittelpunkt stehen, einmal Aufsehen erregen! Darum auch versammelt sich die Einwohnerschaft, neugierig-gespannt, Abend für Abend vor der ‚Großen Leinwand’, einer Art von öffentlichem Privatfernsehen. Und wenn es einmal richtig brennt, kommt ein wenig Glanz ins öde Leben.
Ein so geschäftiger wie seelenloser Ort. Wer hier spazieren geht, der gerät leicht auf den Holzweg. Die Kinder fürchten sich vor einem großen, schwarzen Hund – und wünschen doch nichts sehnlicher, als dessen Freund zu sein, um anderen mit der Bestie Angst einzujagen. Auch besitzt jeder Bürger hier sein Grab zu Lebzeiten schon, und auf dem Grabstein steht eingraviert sein Name. Deswegen geht niemand gerne von hier fort. Er ginge ja geradewegs ins Vergessen.
Ganz anders aber Heinrich. Er ist unheilbar krank, die Ärzte geben ihm nur noch kurze Zeit zu leben. Doch eines Tages fühlt er sich ein bisschen besser – und begibt sich, hoffnungsvoll, lebensfroh, auf eine letzte Reise in den Süden, an den einen Ort, an dem er einmal glücklich war.
 

„Sobald ich von meiner Heimat erzähle, ernte ich irritierte, schockierte, auch angewiderte Blicke. Ich übertreibe, heißt es, dramatisiere mal wieder, fröne meiner Lust am Makabren, ja am Primitiven, Geschmacklosen. Doch was kann ich dafür? Mein Landstrich müsse ein besonders hässlicher, ein negativer Winkel sein, höre ich. Seine Bewohner seien erstaunlich rückständig, unglücklich und anmaßend in Einem, wahrscheinlich seien wir allesamt krank oder pervers. Wieder hebe ich die Schultern, bereue schon, dass ich etwas erzählt habe: Wie rette ich jetzt die Würde meiner Mitmenschen und mit ihr meine eigene, die, ob es mir gefällt oder nicht, mit ihnen verbunden ist? Mir kamen sie immer ganz normal vor, sage ich zu unserer Verteidigung. Vielleicht sind wir etwas starrköpfig und verschlossen. Das liegt an der Höhenlage, den langen Wintern mit ihren Schneemassen, die uns über Monate hinweg von der Außenwelt abschirmen; am lichtlosen Fichtenwald, der unsere Orte einfasst wie ein Trauerrand, an der Zeit, die oft stillzustehen scheint hier oben in der Uhrenwelt…
Nein, für mich sind diese Unglücklichen überhaupt nicht seltsam, sondern geradezu vorbildlich. Ich wurde in ihre Welt gesetzt und habe nach und nach die Augen zu jedem Einzelnen von ihnen aufgeschlagen. Jeder Mensch, dem ein Kind begegnet, ist für das Kind absolut, nie käme es darauf, dessen Wesen, Geschichte, dessen Sosein anzuzweifeln…“


Heimarbeit ist von einer verstörenden Kraft, die aus der obsessiven Energie der Autorin kommt  – dagegen wirkt manch anderer Titel wie Deckchensticken. Literaturblatt

Eins ist sicher: Fritz hat Sprachgewalt. Badische Zeitung

Ein lichtes Kaleidoskop, ein Kleinod, wie es im Buche steht: ein fein gearbeitetes Stück, etwas Kostbares. Stuttgarter Zeitung

Listige Subversionen des Pathos, das dem Reden über Heimat allzu oft innewohnt. So gelingen ergreifende Sätze und Kapitel. Berliner Zeitung

Fritz’ origineller Roman hebt sich drastisch von den vielen Belanglosigkeiten des Bestseller-Marktes ab. Badische Neueste Nachrichten
 

„Heimarbeit“ Roman
Klöpfer & Meyer 2007
184 Seiten, geb. mit Schutzumschlag, € 18,90
ISBN 978-3-940086-00-6